Vor 50 Jahren: Bischof Moser wird Rottenburger Diözesanbischof
Am 12. April 1975 wurde Georg Moser (1923-1988) im Rottenburger Dom als neunter Bischof der Diözese inthronisiert. Seine Weihe zum Bischof hatte bereits fünf Jahre vorher in Stuttgart stattgefunden, als Moser zusammen mit Anton Herre das Amt eines Weihbischofs übernahm.
Zur Feier in Rottenburg erschien reichlich Prominenz: Kardinal Volk aus Mainz, die Bischöfe aus Freiburg, Augsburg, Essen und Fulda, aber auch aus Bobbio in Italien, aus Sankt Gallen in der Schweiz. Die Bischöfe aus Masaka in Uganda und aus Addis Abeba in Äthiopien sorgten – wie die Presse schrieb – für einen Hauch Weltkirche. Landesbischof Helmut Claß vertrat zusammen mit weiteren Oberkirchenräten die evangelische Kirche, aus der Politik feierten Landtagspräsident Camill Wurz, Ministerpräsident Hans Filbinger und dessen Amtsvorvorgänger Gebhard Müller mit. Es charakterisiert Bischof Moser, dass er daneben auch zwei Strafgefangene aus der JVA auf die Gästeliste setzten ließ.
Wie immer schon, erwies sich der Rottenburger Dom bei solch großen Feierlichkeiten als zu klein. Leidtragende waren die Rottenburger, die zugunsten der Ehrengäste draußen bleiben mussten. Moser wusste mit so einer Situation umzugehen. Bei der abschließenden Feierstunde auf dem Marktplatz bat er die Rottenburger um Verständnis und witzelte in seiner ihm eigenen humorigen Art, er selbst „sei froh gewesen, noch einen Sitzplatz zu erhalten“.
Die Botschaft seiner Predigt bleibt bedenkenswert. Moser führte aus: Nichts könne die Christen von der Sorge um die Welt dispensieren. „Die Nachfolge Jesu verpflichtet uns dazu, uns engagiert um die brennenden Fragen der Menschheit mit zu kümmern: um die gerechte Verteilung der Güter, um den Aufbau des Friedens und den Abbau der Rüstung, um die Humanisierung der Arbeitswelt, um eine gesunde Umwelt, um den Bevölkerungszuwachs auf der einen und den Geburtenschwund auf der anderen Seite.“
Die Bilderstrecke mit Fotos der Inthronisationsfeier im Dom und des nachfolgenden Empfangs im Foyer des Bischofshauses stammen aus dem Diözesanarchiv, Fotograf war Wilfried Eschenfelder.

